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Reformen
sind notwendig, aber eine Reform braucht Ziele und daraus abgeleitet Wege,
diese zu erreichen
Forschung
ein Begriff, der unter "Neu Regieren bei keinem der
Ministerien mehr vorkommt
Fazit
Post
Scriptum: Der Umgang und die Wertschätzung von WissenschafterInnen
im Parlament
Reformen
sind notwendig, aber eine Reform braucht Ziele und daraus abgeleitet Wege,
diese zu erreichen
Was ist für uns in der aktuellen Situation besonders wichtig?
1. Die Umsetzung der Studienreformen 1997 und 2000
Das bedeutet neue Studienpläne:
- sie garantieren die Ausbildung auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft
- bringen eine Reform der Studieneingangsphase
- bessere Anrechenbarkeiten und internationale Ausrichtung
- im Idealfall die Möglichkeit eines dreigliedriges Studiums
In Österreich haben wir eine längere Studiendauer als in den
meisten anderen OECD-Länder. Grund dafür ist die späte
Einführung des Bakkalaureats als international gültiger und
anerkannter Hochschulabschluss nach drei Jahren und der späte Aufbau
des Fachhochschulsektors. Da besteht nach wie vor dringender Handlungsbedarf.
Studienpläne müssen in Zukunft auch verpflichtende Fremdsprachenteile
enthalten und es wäre besser, die StudentInnen könnten sich
mehr auf die modernen Sprachen konzentrieren, anstatt ein überholtes
Latinum zu lernen.
Die Studienpläne sollen noch stärker als bisher integrative
Modelle der Zusammenarbeit verschiedener Wissenschaften, Institute und
Fakultäten vorsehen. Viele Projekte sind nur mehr durch Zusammenarbeit
unter den Disziplinen zu bearbeiten. Diese Zusammenarbeit muss bereits
beim Studium gelehrt und praktiziert werden.
2. Im Sinne des lebenslangen Lernens erhalten die
Universitäten neue Aufgaben
Lebensbegleitendes Lernen ist eines der Forschungsfelder der Zukunft.
Der Ausbau der Angebote im postgradualen Bereich ist dringend erforderlich.
3. Ausbau der Fernstudien
Da gibt es bereits gute Ansätze, aber letztlich geht das nicht ohne
Geld. Was wir dabei auch brauchen und was nicht viel kostet
ist die notwendige Anpassung der Gesetze an die Gegebenheiten des Fernstudiums.
- Aufhebung des sogenannten "Doppelinskriptionsverbotes"
- Aufhebung der zwingenden Bindung von Fernlehre an Semester
- wesentlich vereinfachte Voraussetzungen für eine Ferninskription
anstelle eines "Zulassungsverfahrens zum Studium"
- andere Regelungen für die Abgeltung der Lehre (in Richtung Tutoring,
Coaching ...)
4. Forschendes Lernen
Die Möglichkeiten für Forschungskooperationen und -projekte
müssen deutlich über die Universitäten, derzeitigen außeruniversitären
Forschungseinrichtungen und Betriebe hinaus ausgeweitet werden. Deutschlands
Max Planck- und Fraunhofer Institute sind Vorbilder im Sinne der Ausbildung,
wie auch Ausweitung der Forschungsquote. Weder die Universitäten,
noch die Unternehmen werden im Alleingang die geplante Anhebung der Forschungsquote
auf 2,5% zustande bringen.
5. Reform der LehrerInnenausbildung
Die LehrerInnenausbildung soll in den neuen Hochschulen für Bildungsberufe
zusammengeführt werden. Darin sind auch die Akademien und die LehrerInnenausbildung
in den Gesundheitsberufen einzubeziehen, womit echte Hochschulen für
alle pädagogischen Berufe entstehen.
Es gibt einen ExpertInnen-Vorschlag aus Nordrhein-Westfalen, welcher als
zusätzliches Ausbildungs-Angebot interessant erscheint. Hauptfachstudierenden,
die sich erst nach dem Studienabschluss für den LehrerInnenberuf
entscheiden, können nach ihrer Fachausbildung eine Ausbildung in
Pädagogik und Fachdidaktik absolvieren.
6. Ausbau der Budgetautonomie und mehrjährige
Budgets
Seitens der SPÖ wird diese Forderung seit Jahren erhoben.
7. Klare und faire Rahmenbedingungen für das
breite Feld der sogenannten "prekären Arbeitsverhältnisse
Prekär erinnert an Prekarium. Das ist die "Bittleihe,
und so sehen diese Verhältnisse der ExistenzlektorInnen und ProjektmitarbeiterInnen
in Werkverträgen auch aus.
8. Ausbau des Fachhochschulsektors vor allem
im Sozialbereich
Forderungen dafür:
- zusätzliche Mittel
- Bakkalaureat im FH-Gesetz
- Anerkennung des Fachhochschulabschlusses als Hochschulstudium
Forschung
ein Begriff, der unter "Neu Regieren" bei keinem der
Ministerien mehr vorkommt
"bw:bwk" oder "bm:vit" aber kein "f" für
Forschung - oder doch? bm:f und das passt auch, denn der eigentliche Forschungsminister
ist der Bundesminister für Finanzen.
Forschung geht auch das Parlament nicht mehr viel an. Nicht wir als Parlamentarier
entscheiden über das Budget mit (ohnehin schon eine sehr bescheidene
Form der Mitbestimmung), sondern wir dürfen im Budgetausschuss oder
schriftlich anfragen, was denn der Rat mit dem Geld gemacht hat, über
das wir gar nichts mehr zu befinden haben.
Die Regierung macht es sich einfach, indem sie dem Rat für Forschung
und Technologieentwicklung (RFT) eine lange Liste von Ideen schickt Der
RFT sucht dann Projekte aus und der Finanzminister zahlt wenn er
mag.
Das ist eigentlich der Hauptvorwurf beim Budgetkapitel Wissenschaft:
Das Budget 2001 wird einfach fortgeschrieben und alles, was darüber
hinaus in Forschung investiert wird, entscheiden der RFT und der Finanzminister.
Die Forschungsmilliarden (es dürften an die 3 Mia. öS für
2002 sein) sind nicht Gegenstand des Budgets 2002. Sie sind am Parlament
vorbeigeschwindelt worden und parken beim Finanzminister, ebenso wie die
voraussichtlich 900 Mio. der ÖNB.
Da hat auch die Wissenschaftsministerin nichts mehr dazu zu sagen. Das
ist ein klarer Verstoß gegen die Budgetwahrheit, wenn fast ein Viertel
der Mittel im Budget gar nicht enthalten sind.
Fazit:
- unrealistische oder nicht vorhandene Reformziele
- unzureichende Budgetierung aus dem regulären Budget bei teilweise
unzulässigen Quellen, wie die Arbeitslosenversicherung
- fehlende Budgetwahrheit
- eine durch die Regierung verschuldete Verunsicherung an den Universitäten
bei Lehrenden und Studierenden
Bildung und Forschung sind also nicht Schwerpunkt, sondern Schwachpunkt
der Regierung, kaschiert durch den Fetisch des Nulldefizits.
Post Scriptum:
Der Umgang mit und die Wertschätzung von WissenschafterInnen im Parlament
Vor wichtigen Gesetzesänderungen werden ExpertInnenmeinungen eingeholt,
die Stimme der Wissenschaft gehört und dann das Gegenteil von dem
getan, was alle ExpertInnen geraten haben. Das ist ein schlechtes Verständnis
von Wissenschaft!
Herr Dr. Haider der noch immer FPÖ-Altparteiobmann
hat über "unfähige Experten" in der Regierung geschimpft,
wobei unklar ist, wen er mit den ExpertInnen gemeint hat. FPÖ-Abgeordneter
Gaugg fordert eine Politik mit Herz, Bauch und Hirn. Früher hieß
das "mit Herz und Hirn" jetzt kommt noch der Bauch dazu,
womit das Hirn automatisch in eine Minderheitsposition gedrängt wird.
Die Reihenfolge ist vielleicht nicht zufällig.
Soviel zum Umgang der Regierung mit den Wissenschaftern. Es ist vor allem
die Aufgabe der Wissenschaftsministerin, solchen Tendenzen Einhalt zu
gebieten und sich schützend vor die Wissenschaft zu stellen und den
Faktor "Hirn" zu verteidigen.

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