BUDGET
2005: Bildung Wissenschaft Fachhochschulen
... das Wichtigste in Kurzform
BILDUNG
Im Vergleich zu den Gesamtausgaben des Bundes betragen die Ausgaben für
den Schulbereich nur mehr 9,30 %, das ist der niedrigste Anteil seit Bestehen
einer ÖVP/FPÖ-Regierung (2000 waren es noch 9,50 %).
Der Budgetvoranschlag 2005 (BVA 2005) bringt nur eine geringfügige
Erhöhung von 1,18 % gegenüber dem Budgetvoranschlag 2004, wobei
die beim Lehrpersonal jährlich um etwa 3,5% steigenden Strukturkosten
(Biennien und Gehaltserhöhungen) bereits inkludiert sind. Das bedeutet,
dass auch der Budgetvoranschlag 2005 nur mit weiteren restriktiven Maßnahmen
im Personalbereich einzuhalten sein wird.
Pflichtschulbereich
Für den Pflichtschulbereich ist infolge der Vereinbarungen des Finanzausgleiches
die letzte Etappe des Berechnungsschlüssels für die Zuteilung
von Dienstposten für LandeslehrerInnen (ein Dienstposten pro 14,5
VolksschülerInnen / pro 10 HauptschülerInnen / pro 9 SchülerInnen
aus Polytechnischen Schulen / pro 3,2 SchülerInnen mit sonderpädagogischem
Förderbedarf) im Schuljahr 2004/05 in Kraft getreten.
Seit dem Jahr 2000 wurden somit ca. 5.500 LandeslehrerInnen-Dienstposten
abgebaut, wobei davon ca. ein Drittel durch die sinkenden SchülerInnenzahlen
bedingt sind. Dieser Abbau erfolgte v.a. durch eine spezielle Vorruhestandsregelung,
von der viele LehrerInnen Gebrauch machten. Diese Dienstposten wurden
dann zum überwiegenden Teil nicht nachbesetzt.
Berufsbildung
Der Trend zu den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen hält
weiter an. Im Bereich des berufsbildenden Schulwesens sieht der Voranschlag
2005 Personalausgaben von 988,4 Mio. € vor, das ist eine Steigerung
von 3,5% gegenüber dem Erfolg 2003.
Nimmt man die Steigerung der SchülerInnenzahlen seit dem Vorjahr,
die Kosten für Gehaltserhöhungen sowie für den Struktureffekt
bei den LehrerInnen zeigt sich, dass diese geringe Erhöhung zu keinem
Ausbau des berufsbildenden Schulwesens im kommenden Jahr führen kann.
Auch die Steigerung des Sachaufwandes um 4,7 Mio. € (2,2%) fällt
in Anbetracht eines erheblichen Nachholbedarfes bei der Ausstattung an
den berufsbildenden Bundesschulen gering aus.
Erwachsenenbildung
Seit dem Jahr 2000 kürzt die Bundesregierung das Budget zur Förderung
der Erwachsenenbildung systematisch. Die Mittel für die Förderung
der Erwachsenenbildung machen nur 0,13 % des Gesamtbildungsbudget aus!
WISSENSCHAFT
Universitäten
Mit dem Universitätsgesetz 2002 (UG 2002) wurde die gesetzliche
Basis zur Ausgliederung der Universitäten geschaffen. Die Finanzierung
soll über 3-jährige Globalbudgets, Drittmittel und Studiengebühren
erfolgen. Für die Jahre 2004 2006 wurde der Globalbetrag im
UG (§ 141) mit € 1,661 Mio. jährlich festgelegt.
Dazu kommen noch gemäß § 141 Abs. 2 Abgeltungen für
die Bezugserhöhungen für Beamte und Vertragsbedienstete, Mietaufwendungen,
Hochschulraumbeschaffung, den klinischen Mehraufwand etc.
Im Universitätsbereich sind die Aufwendungen für die Universitäten
bei den gesetzlichen Verpflichtungen für 2005 nur geringfügig
erhöht worden (BVA 2004: € 1,702,6 Mio.; BVA 2005: 1,724,6 Mio.).
Die Aufwendungen insgesamt inklusive Hochschulraumbeschaffung und dem
laufenden klinischen Mehraufwand sind gegenüber dem BVA 2004 jedoch
gesunken ((BVA 2004: € 1,914,1 Mio.; BVA 2005: € 1,906 Mio.).
Wesentlich ist jedoch, dass seit dem Jahr 2000 aufgrund der Kürzungen
im Investitionsbereich ein enormer Nachholbedarf besteht und der Struktureffekt
bei den Personalkosten ebenfalls nicht abgegolten wurde.
Vor allem im Bereich der Lehre sind an vielen Universitätsstandorten
wiederholt Missstände aufgetreten, die zu Lasten der gebührenzahlenden
Studierenden gehen. Ein budgetäres Sofortprogramm für die Universitäten
ist daher dringend notwendig.
Studienförderung und Förderung von Auslandsaufenthalten bei
Studierenden
Der Betrag für die Studienförderung (VA-Ansatz 1/14107) ist
bereits das dritte Jahr mit nur € 146.613.000 "eingefroren".
Das für 2005 vorgesehene Stipendienbudget wird wiederum nicht ausreichen,
da aufgrund steigender StudienanfängerInnenzahlen an den Universitäten
und dem Ausbau des FH-Sektors - der einen hohen Anteil an StipendienbezieherInnen
aufweist die Zahl der StipendienbezieherInnen steigen wird.
2003 wurden für die Studienförderung von rund 46.000 Studierenden
rund 162 Mio. € aufgewendet, wovon ca. 20% für den so genannten
"Studienzuschuss" zu veranschlagen sind , d.h. ca. 30 Mio. €
sind kein echtes Stipendium, sondern Ersatz für bereits bezahlte
Studiengebühren. Da im Jahr 2003 bereits ein Fehlbetrag von ca. €
16 Mio. zu verzeichnen war, wird für das laufende Jahr 2004 eine
Unterdotierung von rund € 20 Mio. angenommen.
Die Förderung von Auslandsaufenthalten im Rahmen von ERASMUS-Stipendien
wird von € 2,035.000 auf € 2.000.000 reduziert, obwohl
bereits 2003 mit dem Budget nicht das Auslangen gefunden werden konnte
(Erfolg 2003: € 2,107.000) und das Bildungsministerium immer
wieder die Wichtigkeit der Internationalisierung und Mobilität betont.
FACHHOCHSCHULEN
Der Entwicklungs- und Finanzierungsplan für den Fachhochschulbereich
II (E&F-Plan) sah bis zum Jahr 2004/05 eine jährliche Zahl von
600 neuen AnfängerInnen-Studienplätzen vor. Da aufgrund der
Aktion 600 (die Länder übernehmen die Finanzierung einer Kohorte
von Studiengängen) sowie der Überführung der Sozialakademien
in FH-Studiengänge (Budgetierung nicht aus dem FH-Finanzierungsplan)
die Ausbauzahl von 21.000 Studienplätzen bereits im Jahr 2004/05
erreicht ist, hat es im Herbst 2004 keine zusätzlichen AnfängerInnenstudienplätze
gegeben.
Im Studienjahr 2004/05 liegen die tatsächlichen Plätze an den
FH-Studiengänge mit 25.665 um fast 5.000 Studierenden über den
im E&F-Plan vorgesehenen 21.000. Auf diese höhere Anzahl muss
durch einen erhöhten Budgetansatz reagiert werden. Bei einer durchschnittlichen
Bundesförderung von € 6.200 machen diese 5.000 Plätze ca.
30 Mio. € aus. Die angeblich durch einen Ausbau des FH-Sektors 2005
veranlasste Steigerung des Budgets resultiert also daraus, dass der Bund
die Verpflichtungen übernehmen muss, die er bei den Sozialakademien
und beim vorerst durch die Länder finanzierten Ausbau eingegangen
ist.
Entgegen der Budgetierung im E&F-Plan III, in dem für 2005 eine
Bundesförderung von 156,88 Mio. € vorgesehen ist, finden sich
im BVA 05 jedoch nur 151,596 Mio. €.
Es handelt sich also um eine Verringerung von 5,284 Mio. € gegenüber
dem im Mai 2004 beschlossenen Entwicklungsplans III. Fazit: Das Ministerium
rechnet anscheinend selbst nicht damit, dass der Entwicklungsplan als
Ausbauplan eingehalten wird.
Umstellung auf das Bakkalaureats- und Magisterstudium
Aufgrund einer Novelle des Fachhochschulstudiengesetzes ist es seit 2003
möglich, die Diplomstudien in Bakkalaureats- und Magisterstudien
umzuwandeln. Da die Magisterstudien zwischen zwei und vier Semester dauern
können, bedeutet das eine Verlängerung des Studiums um bis zu
einem Jahr im Vergleich zu den jetzigen vierjährigen Diplomstudiengängen.
Allerdings wird die Studienplatzfinanzierung nur nach dem Äquivalent
der bisherigen Diplomstudien bezahlt, d.h. falls ein Studium in Kombination
Bakkalaureat und Magister künftig fünf Jahre dauert, finanziert
der Bund nur wie bisher die Kosten für vier Jahre, was in der Praxis
meist bedeutet, dass die Studiengänge weniger Plätze in den
Magisterstudien anbieten.
Wien, im Oktober 2004
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