Bildungspolitik,
die diese Regierung zu verantworten hat
Plenardebatte zur Ersten Lesung des Budgets 2005 Redebeitrag
von SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser
(14. Oktober 2004) - Mit meinem unmittelbaren Vorredner Großruck
(VP) muss ich mich nicht auseinander setzen. Er hat es vermieden, irgendetwas
zum Budget zu sagen. Wahrscheinlich wollten Sie sich ersparen, über
dieses Trauerspiel-Budget etwas zu reden, und haben sich stattdessen mit
uns und unserem Wirtschaftsprogramm beschäftigt sicher ein
lohnendes Unternehmen!
Kollege Fauland (FP) hat gemeint, diese Regierung denkt in Jahrzehnten,
denkt in Generationen. Ich habe mir dabei gedacht: Ja, wahrscheinlich
denkt sich diese Regierung auch: Nach uns die Sintflut!, denn was hier
an Budgetdesaster hinterlassen wird, sucht sicher seinesgleichen.
Kommen wir zum Bildungsbudget! Zunächst noch ein paar Sätze
zu den Universitäten: Kollege Bucher (FP) hat heute in seiner Rede
gemeint, Sie hätten desolate Universitäten übernehmen müssen.
Ich bitte Sie, diese Aussage auch zu treffen, wenn dann Ministerin
Gehrer hier sitzt, denn als Sie im Jahr 2000 an die Regierung gekommen
sind, da hat Ministerin Gehrer schon fünf Jahre ihr Amt ausgeübt.
Sagen Sie ihr, dass sie Ihnen desolate Universitäten hinterlassen
hat, und sagen Sie das nicht uns!
Wenn Universitäten desolat sind, dann sind sie es jetzt. Im Folgenden
ein gutes Beispiel dafür, wie kurz Ihre Argumentation und Ihre Wahrheit
währt: Kollegin Brinek (VP) hat heute mit der Frau Bundesministerin
eine Pressekonferenz gegeben und die Universitäten belehrt, sie sollen
doch, wenn es um Räumlichkeiten geht, auch auf Räume anderer
Universitäten schauen. Sie hat sich postwendend von Rektor
Badelt von der Wirtschaftsuniversität belehren lassen müssen.
Der Rektor fordert Kollegin Brinek auf, sich über die reale Hörsaalbenützung
an der WU zunächst zu informieren, bevor sie dazu öffentliche
Aussagen macht.
Und so sieht es rundherum aus: Sie behaupten Dinge, die mit der Wirklichkeit
absolut nichts zu tun haben. Das Bildungsbudget steigt nicht einmal um
jenes Ausmaß, das für die Abgeltung der Struktureffekte notwendig
wäre. Das Erwachsenenbildungsbudget sinkt real, wenn wir die Streichung
der Förderungsstellen berücksichtigen. Und die Zahl der Lehrerinnen
und Lehrer ist vom Jahr 2002 bis zum heurigen Schuljahr um 12 000 zurückgegangen.
Das ist die Bildungspolitik, die diese Bundesregierung zu verantworten
hat! Das hat nicht nur mit dem Schülerrückgang zu tun, Kollege
Bucher, sondern Sie wissen genau: Es hat eine Entlastungsverordnung gegeben,
wo Fächer gekürzt worden sind. Es werden Zusatzangebote gestrichen.
Es müssen die Lehrer größere Klassen unterrichten.
Das sind die wirklichen Gründe dafür, dass wir
heute über 10 000 Lehrerinnen und Lehrer weniger haben.
Schauen wir uns, wenn wir nun zu den Zukunftsthemen kommen, beispielsweise
die BDG-Novelle an. Kollege Neugebauer, ich bitte Sie, sich das wirklich
genau anzuschauen! BDG-Novelle 2004: Was ist da vorgesehen? Es
ist vorgesehen, dass die künftigen akademisch ausgebildeten Lehrerinnen
und Lehrer im Dienstrecht selbstverständlich nicht
als Akademiker anerkannt werden. Und es ist sogar vorgesehen, dass auch
die Fachhochschulabsolventinnen und absolventen künftig garantiert
nicht als Akademikerinnen und Akademiker angesehen werden. Das
ist die Politik, mit der Sie unseren Hochschulabsolventen sagen, was sie
von Ihnen zu halten haben.
Das Budget enthält keine innovativen Ansätze. Es enthält
in der Bildungspolitik eine Fortschreibung der bisherigen Politik auf
niedrigstem Niveau. Es gibt nichts für die sprachliche Frühförderung,
die unbedingt notwendig wäre. Es gibt nichts für den Ausbau
ganztägiger Schulformen. Es gibt kein zusätzliches Geld für
die Qualitätssicherung nur große Qualitätsmemoranden,
die im Budget überhaupt nicht dotiert sind.
Ich frage mich: Wie will die Bildungsministerin das umsetzen, was sie
mit der "klasse:zukunft" groß angekündigt hat und
wofür sie bei der Umsetzung unsere Unterstützung gehabt hätte?
Das Budget sieht dafür nichts vor! Oder kommen wir zu so wichtigen
Dingen wie dem Schulklima, wo es auch darum ginge, etwa Supervisionsangebote
für Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern.
Herr Finanzminister! Sie haben es ja mit den Rankings, und Sie sagen
immer wieder, wie toll wir in den verschiedenen Rankings in Europa und
auf der Welt liegen. Ich darf Ihnen auch ein Ranking vortragen, nämlich
das Ranking, das uns die OECD im Bildungsbereich gibt. Die neue OECD-Studie
2004, "Bildung auf einen Blick", vergleicht die Bildungsinvestitionen
der Mitgliedsländer der OECD je Schülerin und je Schüler.
Und da sind wir zwischen 2000 und 2002 neuere Daten gibt es dazu
nicht, das sind die neuesten im Primärbereich, bei den Volksschulen
vom dritten auf den siebten Platz zurückgefallen. Wir sind bei den
Hauptschulen und bei der Unterstufe der AHS vom zweiten auf den fünften
Platz zurückgefallen. Und wir sind im Tertiärbereich von Platz
sechs auf Platz acht zurückgefallen.
Herr Bundesminister für Finanzen! Auch das sind Rankings
und es sind Rankings, über die sich eigentlich niemand hier im Saal
freuen kann. Und die Zahl der Menschen, die das Ende dieser bildungsfeindlichen
Regierung herbeisehnen, wird von Tag zu Tag größer.
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