Wer außer
Gehrer ist eigentlich mit dem Bildungsbudget zufrieden?
Plenardebatte zum Bildungsbudget 2005 - Redebeitrag von SPÖ-Bildungssprecher
Erwin Niederwieser
(16. November 2004) - Wir verhandeln jetzt den Komplex der Bildung. Im
"Morgen-Journal" habe ich gehört, dass es vor allen Dingen
um das Hochschülerschaftsgesetz gehen wird, um diese undemokratische
Vorgangsweise, die Sie hier gewählt haben. Ehe wir dazu kommen, beschäftigen
wir uns aber doch noch mit dem Bildungsbudget.
Die Vertreterinnen und Vertreter der Regierungsparteien sagen, sie sind
mit dem Budget zufrieden, sehr zufrieden, es ist das höchste aller
Zeiten, und so weiter. Wir sind nicht zufrieden damit, und auch das wird
Sie wahrscheinlich wenig verwundern. Im Grunde ist es auch nicht so erheblich,
wie wir hier argumentieren, sondern die Frage ist vielmehr: Sind die Schülerinnen
und Schüler, sind jene, die im Bildungsbereich tätig sind, die
Lehrerinnen und Lehrer, sind die Leute an den Hochschulen mit diesem Bildungsbudget
zufrieden? Können sie damit auskommen? Können sie damit gut
arbeiten? Und darauf ist unsere Antwort ein klares Nein; darauf richtet
sich unsere Hauptkritik.
Die österreichischen Elternvereine starten gemeinsam mit der Lehrergewerkschaft
eine Bürgerinitiative für Schulqualität, weil sie diese
gefährdet sehen. Im "Standard" lesen wir die klare Analyse:
Real haben die Schulen weniger Geld zur Verfügung. Im "Kurier"
vom 24. Oktober steht: Haupt- und Volksschulen drohen dramatische Einsparungen.
Und was sagt der niederösterreichische Landesschulratspräsident
Stricker? Man kann die Kinder nicht wie Postpakete herumschicken.
Das ist genau das Problem, um das es hier geht! Das ist eine unmenschliche,
eine unsoziale Art und Weise, wie Sie mit den Menschen umgehen, und das
fängt jetzt schon bei den Kleinsten an!
Bildungspolitik ist also absolut kein Schwerpunkt, den Sie hier setzen,
und die Lissabon-Strategie, die uns die EU zur wissensbasierten Gesellschaft
vorgibt, wird absolut nicht ernst genommen.
SPÖ hat klares Programm vorgelegt
Wir haben uns sehr detailliert mit bildungspolitischen Themen beschäftigt.
Wir haben ein klares Programm vorgelegt, und wir werden das Ende November
beschließen. Kollege Amon hat zwar gemeint, das seien alte Hüte,
aber reden wir einmal über diese alten Hüte, Kollege Amon. In
der Erwachsenenbildung geht es beispielsweise darum, neue Methoden der
Stärken- und Schwächenanalyse der betreffenden Personen einzuführen,
beispielsweise Kompetenzbilanzen, damit wir viel zielgerichteter im Bereich
der Weiterbildung, der Kurse tätig sein können. Das sind keine
alten Hüte. Ich bin überzeugt, die sind so neu, dass die meisten
von Ihnen diese Dinge nicht einmal richtig kennen.
LehrerInnen auf Hochschulniveau ausgebildet, auf Matura-Niveau
bezahlt
Oder nehmen wir die Lehrerinnen und Lehrer. Unsere Konzepte, unsere Ziele
dazu sind ganz klar: Wir wollen eine neue Ausbildung auf Hochschulniveau.
Was aber setzt die Bundesregierung, was setzen Sie den Lehrerinnen und
Lehrern den wichtigsten Akteuren des Bildungssystems entgegen?
Sie sagen ihnen ganz klar, sie werden zwar auf Hochschulniveau ausgebildet,
aber weiterhin auf Matura-Niveau bezahlt. Das steht im Beamten-Dienstrechtsgesetz,
das wir demnächst im Verfassungsausschuss und dann im Plenum verhandeln
werden.
Das ist die klare Botschaft, was Sie von den Menschen halten: nämlich
weniger, als sie tatsächlich können. Wir werden aber danach
trachten, dass den Lehrerinnen und Lehrern auch im Dienstrecht jene Stellung
zukommt, die ihnen auf Grund der Ausbildung gebührt. Verlassen
Sie sich darauf!
Im Sinne der bisherigen Ausführungen bringe ich folgenden Antrag
ein:
Entschließungsantrag
der Abgeordneten DDr. Niederwieser, Genossen und Genossinnen
Die unterzeichneten Abgeordneten stellen nachstehenden
Entschließungsantrag
"Die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur
wird aufgefordert, durch geeignete Maßnahmen folgendes sicherzustellen:
- Senkung der Klassenschüler-Höchstzahlen auf 25 SchülerInnen
pro Klasse
- Ausbau der Förderstunden für SchülerInnen mit besonderen
Begabungen als auch für SchülerInnen mit Teilleistungsschwächen
- ausreichendes Lehrpersonal zur Integration von SchülerInnen mit
sonderpädagogischem Förderbedarf und nichtdeutscher Muttersprache
- weiterer Ausbau des Angebots an ganztägigen Schulformen
- ausreichende Plätze in berufsbildenden mittleren und höheren
Schulen
- Standortsicherung für Kleinschulen, insbesondere im ländlichen
Raum
- mehr Mittel für Schülerbeihilfen und Ausweitung des BezieherInnenkreises
sowie
- ausreichende Mittel für Schulveranstaltungen (wie zum Beispiel
Schikurse, Landschulwochen und so weiter)."
*****
Mit diesem Antrag weisen wir darauf hin, was unbedingt notwendig ist,
um das Bildungssystem auf dem Qualitätsstandard zu halten, den diese
Elterninitiative fordert, und wir ersuchen Sie: Stimmen Sie diesem Entschließungsantrag
zu!
Anmerkung:
Der Antrag wurde mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ abgelehnt.
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