"Unabhängig von der jeweiligen Regierungskonstellation muss es uns
um die Qualität unserer Hochschulen gehen", betonte SPÖ-Wissenschaftssprecher
Erwin Niederwieser im Rahmen der Diskussionsveranstaltung zum Thema "Die
entfesselte Hochschule - von der Gelehrtenrepublik zum
Dienstleistungsunternehmen". Präsentiert wurden Vorschläge zur
Hochschulreform von Detlef Müller-Böling, Leiter des Zentrums für
Hochschulentwicklung der Bertelsmann Stiftung und Autor des Buches "Die
entfesselte Hochschule".
Sieben Begrifflichkeiten prägen für Müller-Böling die Zukunft
der Hochschule:
Zum Thema Autonomie merkte Müller-Böling an, dass eine Umstrukturierung in den Organisationsstrukturen unumgänglich sei, um die Qualität der Universitäten sicherstellen zu können. Neben der Zurückdrängung des Staates müssten andere Managementformen für eine schnellere Entscheidungsfindung etabliert werden. "Für mich ist die Ordinarienuniversität der siebziger Jahre gescheitert", so der Autor
Für Erwin Niederwieser hingegen ist, trotz aller Probleme, das Mitbestimmungsrecht
an den Universitäten eines der wichtigsten Elemente. "Nur unter demokratischen
Strukturen können gute
Entscheidungen getroffen werden", so der Wissenschaftssprecher. Von den
MitarbeiterInnen der Universität könnten nur dann herausragende Leistungen
gefordert werden, wenn sie selbst in ihrer Organisation die Möglichkeit
der Mitbestimmung inne hätten. In Österreich würde die Regierung
derzeit eine Hochschulreform vorantreiben, ohne die Betroffenen miteinzubeziehen.
Er selbst sei ein glühender Verfechter der demokratischen Strukturen an
Österreichs Universitäten. "Aber Demokratie muss von den Betroffenen
erkämpft werden." Deshalb sei es entscheidend, dass sich möglichst
Viele an der laufenden Diskussion um die Universitätsreform aktiv beteiligen.
Auch beim Thema Wettbewerb traten unterschiedliche Standpunkte zu Tage. Müller-Böling
forderte die Verantwortlichen auf, endlich Ungleichheit zuzulassen. "Unter
Gleichen kann es keine Weltklasse
geben." Niederwieser hingegen warf ein, dass man sich auch fragen müsse,
wie brutal dieser Wettbewerb gestaltet sei. "Wie geht man mit jenen um,
die diesem Wettbewerb nicht gewachsen sind?" Es sei ein besonderes Anliegen
der Sozialdemokratie, sich um diese Menschen zu kümmern.