Unter dem Titel "Universitäten im Spannungsfeld zwischen Staat, Markt
und Zivilgesellschaft" debattierten am 16. Jänner 2002 die WissenschaftssprecherInnen
der Parlamentsparteien über die Rolle der Universitäten in der Zukunft
und dazugehörende politische Reformmodelle. Anlass dazu gab die vorangegangene
Buchpräsentation "Universitäten in der Zivilgesellschaft"
(Passagen Verlag).
"Die Regierung erschafft eine wissenschaftliche SöldnerInnentruppe", kritisierte Niederwieser die Vorschläge der Bundesregierung zur Universitätsreform. Die Reformbestrebungen der Regierung müssten als Eingriff in die universitäre "Wertegemeinschaft" gesehen werden. Die vorgesehenen Änderungen im Dienstrecht für ProfessorInnen zerstören durch den befristeten Charakter diese Gemeinschaft und nehmen ihr das "Potenzial zur Innovation". Die österreichischen Universitäten hätten sehr wohl Reformbedarf. Mit dem derzeitigen Konzept der Bundesregierung könne es jedoch keine gemeinsame Beschlussfassung geben, denn die Universitäten seien Teil einer demokratischen Gesellschaft, und die Politik sabotiere derzeit demokratisches Leben an der Universität.
Um mit der Zivilgesellschaft in Kooperation treten zu können, müsse es für die Universitäten zu "deutlich weniger Staat und wesentlich mehr Autonomie" kommen. Ein "Output-gesteuerter" Finanzdruck und die Beurteilung von Forschung nach ihrem Nutzen werde dazu führen, dass Universitäten ihren Aufgaben schlichtweg nicht mehr nachkommen können. Statt "Partizipation mit Betrieben" drohe eine "Anbiederung an die Effizienzbedingungen des Weltmarktes", und das bedeute das Aussterben der universitären Vielfalt. Es werde sich für eine in Finanznot geratene und unter Druck gesetzte Institution schwer gestalten, mit der Zivilgesellschaft zu arbeiten. Zudem werde sie der "Gefahr der Außensteuerung" ausgesetzt.
Die Reformbedürftigkeit der Universität sei "nichts Besonderes".
Es solle kein Mythos darum entstehen, vielmehr müsse sie einer ständigen
Veränderung unterzogen werden und auch veränderbar bleiben. So müsse
auch an Know-how gearbeitet werden, um die "Schätze
der Hochschulen" der Öffentlichkeit näher zu bringen. Die Universitäten
seien nicht nur Teil einer demokratischen Gesellschaft, sondern auch Teil der
Zivilgesellschaft und als solches müssten sie auch funktionieren.