(Wien, 24. Jänner 2003) - Ministerin Gehrer plage offensichtlich ein schlechtes Gewissen, anders könne man sich ihre "Nicht-Reaktion" auf die Kritik an der Bestellung der Universitätsräte nicht erklären. "Jene Universitäten, die nur Männer als Universitätsräte gewählt haben, verletzen den Gleichheitsgrundsatz. Gehrer hätte hier die Möglichkeit, diese Vorschläge nicht zu akzeptieren und eine gender-gerechte Nominierung der Universitäten einzufordern", schlägt Niederwieser vor.
Die unlängst erhobene Forderung nach einem Geschlechter-Ausgleich innerhalb des Universitätsrats durch die Bestellungen der Ministerin wäre eine "Notlösung". Es sei vorhersehbar gewesen, dass die durch das neue Universitätsgesetz (UG) gewonnene Autonomie zu einem Männerüberhang führen werde. "Die Professoren wurden in ihrer Macht gestärkt und wissen diese auch zu nützen." Niederwieser konfrontierte die ÖVP bei der gestern, Donnerstag stattgefundenen Plenardebatte mit dieser Kritik und findet es bezeichnend, "dass weder Gehrer als verantwortliche Ministerin noch VP-Wissenschaftssprecherin Brinek, selbst als Lehrende an der Universität tätig, auf diese Problematik eingegangen sind".
Ungeachtet dessen mache sich eine weitere Schwäche des UG bemerkbar. An den nunmehr 21 Universitäten müsse das Gremium des Universitätsrates mit bis zu neun Mitgliedern bestellt werden. "Ich höre, dass es Probleme gibt, qualifizierte Leute für diese umfassende und zeitintensive Tätigkeit zu gewinnen. Damit bestätigt sich einmal mehr die Reparaturbedürftigkeit des UG. Es muss zu einer Neuverteilung der Aufgaben kommen, wo die Kompetenzen des Senats gestärkt werden."