Die neuen Leitungsorgane nach dem UG 2002 kosten deutlich mehr als jene des UOG 1993. Zum Teil "nur" ein Drittel mehr, zum Teil aber auch das Fünffache!

Das bestätigt Ministerin Gehrer in der Beantwortung einer Parlamentarischen Anfrage von Erwin Niederwieser

(23. August 2005) - Nehmen wir das Beispiel der Uni Wien: Das Rektorat kostete 2002 € 241.602.- - im Jahr 2004 waren es € 659.680.--. Hinzu kommen € 50.923.-- für den Universitätsrat. Also in Summe € 710.603.-- oder eine Steigerung von 194 Prozent. Das ist kaum die halbe Rechnung. Durch die von der VPFP-Regierung erzwungene Loslösung der medizinischen Fakultät kommt noch einmal ein Rektorat und ein Universitätsrat hinzu. Beides zusammen kostete € 749.151.-- . Das macht für die Leitungsorgane beider Universitäten € 1.459.754.-- gegenüber den ursprünglichen Kosten von € 241.602.-- für die große Wiener Uni einschließlich der Medizin. Die Steigerung beträgt unglaubliche 504 Prozent!

Ähnlich ist es an den Universitäten Graz und Innsbruck, wo ebenfalls die Kosten für die Verwaltungsstruktur der Medizinuniversität neu hinzu gekommen sind.

Neue Rektorenteams & Universitätsräte, teures neues Dienstrecht und das bei gedeckeltem Budget

Aber auch das ist noch nicht alles. Zu den neuen Rektorenteams und Universitätsräten kommen umfangreiche Stäbe an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im Vergleich zum UOG 1993 noch einmal mit zumindest einer Verdoppelung der Kosten zu Buche schlagen. Und das alles bei gedeckelten Budgets für die Universitäten und einem neuen Dienstrecht, das schon durch die Dienstgeberbeiträge (im Verhältnis zum Beamtenstatus) rund 20-30 Prozent pro Person mehr kostet als früher.

Als der Rektor der Universität Innsbruck Univ.Prof.Dr. Gantner beim Hearing im Parlament VOR der Beschlußfassung von Mehrkosten von rund 25 Prozent für die Verwaltung sprach, erntete er bei den Abgeordenten der Regierungsparteien, der Ministerin und den Beamten des Ressorts nur ein müdes Kopfschütteln: Alles Übertreibung. Inzwischen hat die Wirklichkeit diese Annahmen leider bestätigt.

Studiengebühren - prekäre Arbeitsverhältnisse - Sparen bei Lehre, Betreuung, Studienangebot - ...

Bei einem gedeckelten Grundbudget und unzureichender Abgeltung der Mehrkosten aus dem Bundeshaushalt bedeutet dies, dass gespart werden muss. Die ersten Beitragszahler waren die Studierenden bzw. deren Eltern, denen Studiengebühren abverlangt wurden. Dann traf es die Bediensteten mit prekären Arbeitsverhältnissen (LektorInnen, Werkvertragsnehmer/innen, Projektmitarbeiter/innen usw.). Danach kamen die Einschränkungen bei der Lehre und Betreuung von Diplomarbeiten und Dissertationen. Danach das Studienangebot. Und als nächstes steht eine neue Hürde zwischen Bakkalaureat und Magisterstudium vor der Tür.

Scientific Community und universitäre Unternehmenskultur zerstört

Das alles ist schlimm genug. Was ich aber mittel- und langfristig für das Schädlichste halte, ist die Zerstörung der Scientific Community und der universitären Unternehmenskultur. Die Entwicklung eines Studienplanes und der dazu gehörigen Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekte, das Leitbild einer Universität, die Wahl von Institutsvorständen, Dekan/in und Rektor/in, die Aufnahme in den Stab der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen oder eine Berufung waren bislang eine Angelegenheit vieler und diese Teilhabe an der Entwicklung der eigenen Universität war das wichtige Bindeglied zur Identifikation mit dieser Universität. Manches an Gremialarbeit mag dabei mühsam und fallweise auch überdimensioniert gewesen sein. Aber es war immer noch um vieles besser als das Managementmodell eines ausgegliederten ("Privat"-)Unternehmens, wie wir es derzeit haben. Selbst wenn es von den Kosten her jetzt billiger wäre, würde es mich nicht überzeugen weil ich als Sozialdemokrat Partizipation für ein grundsätzliches Gestaltungsprinzip einer humanen Gesellschaft halte; es ist aber auch - wie das Beispiel der Leitungsorgane zeigt - finanziell deutlich teurer. Änderungen sind daher angesagt aber sie sind nicht zu erwarten, so lange diejenigen Parteien regieren, die mit diesem Universitätsmodell von "Weltklasse" geschwafelt und für dessen Bewerbung hunderttausende an Euros für Plakate und Inserate ausgegeben haben - Steuergeld natürlich.

Änderungen sind angesagt - aber welche?

Sie finden auf dieser Homepage unsere Gegenvorschläge, die wir zum UG 2002 entwickelt haben. Zusammen mit den bislang gemachten Erfahrungen und in einem kommunikativen Prozess mit den Betroffenen innerhalb aber auch außerhalb der Universitäten müssen in einem ersten Schritt die grundlegenden Fehler des UG 2002 geändert und die Universitäten befähigt werden, mit eigenen Ideen und ausreichenden Mitteln ihre Position zu verbessern. Es muss nicht Weltklasse sein aber sie alle unter den sehr guten Universitäten der Welt zu finden, ist ein erklärtes Ziel.

Erwin Niederwieser

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