"Paket
zur Wiederbelebung der Universitäten"
Broukal fordert 100 Millionen Euro als Sofortmaßnahme für Unis
und Rektoren-Runde bei Alpbacher Technologiegesprächen
(11. Juli 2003) - Anlässlich des heutigen "Runden Tisches -
Österreichische Universitäten in der Krise" - eine Initiative
der SPÖ im Wissenschaftsausschuss, zu der zahlreiche Rektoren gekommen
waren - präsentierte SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal
gemeinsam mit dem Grünen Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald
Freitag in einer anschließenden Pressekonferenz ein "Paket
zur Wiederbelebung der Universitäten".
Gefordert werden 100 Millionen Euro als Sofortmaßnahme zur Sicherung
des laufenden Betriebes von Lehre und Forschung, die sofortige Finanzierung
der 500 Professoren-Stellen, die den Unis im Juni 2001 versprochen wurden,
eine verbindliche Erklärung der Regierung zur Aufstockung des Budgets
der Forschungsförderungsfonds, konkrete Initiativen zur Förderung
junger WissenschafterInnen sowie die Abschaffung der Studiengebühren
und die Einführung von Pilotprojekten zur besseren Vereinbarkeit
von Studium und Beruf. Außerdem sollte es am Rande der Alpbacher
Technologiegespräche zu einer weiteren Rektoren-Runde kommen, diesmal
allerdings mit Beteiligung der gesamten Regierung.
Broukal schickte voraus, dass die SPÖ die Wissenschaftssprecher
aller Parlamentsparteien eingeladen habe, allerdings hätten nur die
Grünen zugesagt; die Kollegen aus den Regierungsparteien hätten
es vorgezogen, nicht zu kommen. Broukal will die Initiative als überparteiliche
verstanden wissen, bei der es nicht um Parteipolitik, sondern nur um die
Interessen der Universitäten gehe. Die Uni-Rektoren seien sehr froh
über die Aussprachegelegenheit gewesen. Die Situation an den Unis
sei so dramatisch, da es im Schnitt sechs Prozent Budget-Kürzungen
gebe und zehn bis 15 Prozent Kürzungen bei den frei verfügbaren
Mitteln. Ziel sei eine Quote von 2,5 Prozent des BIP für Forschung
und Entwicklung, die Regierung stelle aber nur 600 Millionen Euro für
vier Jahre zur Verfügung - notwendig seien laut Grünewald jedoch
1,2 Millionen im Jahr.
Broukal betonte, dass der Rektor der TU-Uni Wien, Skalicky, berichtet
habe, dass er, wolle er mit den vorhandenen Mitteln eine Weltklasse-Uni
führen, 20 Prozent an Personal und 30 Prozent an Studierenden einsparen
müsste, und es zu 50 Prozent höhere Studiengebühren geben
müsse. Dies führe zu Elite-Unis, die nicht mehr für alle
offen wären, und zu einer Senkung der Akademikerquote. "Wir
müssen endlich eine Brücke zwischen Propaganda und Wahrheit
schlagen. Die Zeit des schönen Redens ist vorbei", nun müsse
der Euro rollen.
Paket zur Wiederbelebung der Universitäten
100 Millionen Euro als Sofortmaßnahme
Erstens seien 100 Millionen Euro als Sofortmaßnahme zur Sicherung
des laufenden Betriebes von Lehre und Forschung notwendig. "Dies
ist kein Phi-mal-Daumen-Betrag, sondern eine sehr realistische Einschätzung."
Sofortige Finanzierung der 500 längst versprochenen Professoren-Stellen
Zweitens müssten die 500 längst versprochenen Professoren-Stellen
sofort finanziert werden. Broukal informierte, dass 600 Forscherinnen
und Forscher durch die Mittelkürzungen nicht beschäftigt werden
könnten und daher ins Ausland gehen müssten. "Es handelt
sich hier also nicht um abstrakte Zahlenspielereien, sondern es gibt ganz
konkret Hunderte Stellen, die nicht besetzt werden können."
Von den versprochenen 500 Stellen wurden bisher nur 48 besetzt, also erst
ein Zehntel eingelöst.
Die Wissenschaftssprecher von SPÖ und Grünen fordern, dass
am Rande der Alpbacher Technologiegespräche wieder eine Rektoren-Runde
einberufen werden soll, diesmal mit Beteiligung der gesamten Bundesregierung.
Es gelte "Nägel mit Köpfen zu machen" und die Unis
zur "Chefsache" zu erklären.
Aufstockung des Budgets der Forschungsförderungsfonds
Dritte Forderung ist die nach einer verbindlichen Erklärung der
Regierung zur Aufstockung des Budgets der Forschungsförderungsfonds.
Es könne nicht angehen, dass die Unis nur zum Teil wissen, welches
Budget ihnen 2003 zur Verfügung steht, und gar nicht, was sie 2004
bekommen werden. Es gebe auch einzelne Unis, die die Raten für bereits
angeschaffte Instrumente nicht zahlen könnten. Dies könne nicht
angehen; die Unis müssten langfristig planen können.
Verstärkte Förderung junger WissenschafterInnen
Viertens müsse es zu einer verstärkten Förderung junger
WissenschafterInnen kommen. Wie Grünewald betonte, brauchen junge
Forscher Perspektiven und darunter sei nicht nur das Gehalt zu verstehen,
sondern auch die Chance, sich frei entwickeln zu können; dazu fehle
aber zur Zeit das Geld, etwa für Auslandsaufenthalte. Der SPÖ-Wissenschaftssprecher
betonte, dass eine wissenschaftliche Kraft heute um 35 Prozent mehr koste,
als noch vor einigen Jahren. Es sei daher auch sehr kostspielig, über-45-jährige
erfahrene Kräfte zu bekommen, da alleine die Pensionsabfertigungsbeträge
sehr viel ausmachen würden. Man stecke in einer "doppelten Zwickmühle":
Es sei teuer, junge Kräfte anzustellen und erfahrene Kräfte
ebenso. Notwendig seien darum zusätzliche Mittel.
Abschaffung der Studiengebühren
Fünftens trete man schließlich für die Abschaffung der
Studiengebühren ein; diese hätten sich nicht bewährt und
seien sozial ungerecht. Außerdem brauche es Pilotprojekte zur besseren
Vereinbarkeit von Studium und Beruf - etwa Abend- und Blockveranstaltungen
sowie Blöcke in den Ferien.
Gefragt nach der Finanzierbarkeit erklärte Broukal, dass die Regierung
für vieles Geld ausgebe - etwa für die Steuerfreistellung nicht
entnommener Gewinne, Abfangjäger oder den Landwirtschaftsbereich.
"Wir fordern, dass die Unis den Stellenwert, den sie in den Lippenbekenntnissen
haben, auch in der Alltagspraxis haben. Und wir fordern ja nur die Einhaltung
der Versprechen der Regierung, wir brauchen keine zusätzlichen Forderungen
aufstellen."
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