Eine schwierige Operation: Start der Innsbrucker Medizinuniversität
verzögert sich weiter
(11. September 2003) Als "schwierige Operation erweist sich
die ungeliebte und von oben verordnete Lostrennung der medizinischen Fakultät
von der Gesamtuni in Innsbruck, so der Tiroler SPÖ-Abgeordnete und
Bildungssprecher Erwin Niederwieser.Obwohl der designierte Rektor mit
1. Oktober sein Amt antreten solle, sei er immer noch ohne Arbeitsvertrag.
Dieser Vertrag sowie eine Zielvereinbarung müssen lt. § 22
Abs.1 Z.4 UG2002 zwischen Rektor und dem Universitätsrat abgeschlossen
werden. Laut Gesetz sind dann auf Vorschlag des gewählten Rektors
die Vizerektoren zu wählen und das Rektorenteam ("die Mitglieder
des Rektorats) haben bis 1.Oktober 2003 ihr Amt anzutreten. "Viel
Zeit bleibt also nicht mehr."
Designierter Rektor sitzt auf zweifachem Schleudersitz
Laut Niederwieser sei es nach dem rechtswidrigen und allen Anpreisungen
der Autonomie widersprechenden Eingriff des Ministeriums in das Bestellungsverfahren
für den Rektor auffallend ruhig geworden und das Ministerium suche
nach Auswegen, sein Verhalten nachträglich zu legitimieren. Es sei
auch "kein Wunder, dass es noch keinen Vertrag gibt, sitzt doch der
designierte Rektor auf einem zweifachen Schleudersitz". Zum einen
sei das UG 2002 durch die SPÖ in entscheidenden Punkten angefochten
worden und der Spruch des Verfassungsgerichtshofes stehe noch aus. Andererseits
stehe der konkrete Bestellvorgang im Widerspruch zum geltenden Gesetz,
was auch durch ein Gutachten eines renommierten Innsbrucker Juristen belegt
werde. "Was den ÖIAG-Aufsichtsräten nach der Rechnungshofkontrolle
passiert ist, kann auch einigen der neuen Rektoren passieren.
Fixe Professur plus 350.000 Euro Jahresgehalt?
Als weitere Hintergründe dafür, warum sich die konkrete Bestellung
in die Länge zieht, werden aber auch Gehaltsvorstellungen des designierten
Rektors kolportiert. Niederwieser: "Mir gegenüber wurde von
Mitgliedern der Fakultät geäussert, dass über eine Jahresgage
von 350.000 Euro und eine fixe Professur für den Rektor und seine
Gattin verhandelt werde. Das ist weit jenseits von allem, was bisher ein
Dekan der Medizinischen Fakultät bekommen hat! Und das in einer Zeit
des Rotstiftes beim Unibudget!
Der designierte Rektor Prof. Dr. Robert Nitsch ist derzeit Professor
für Zell- und Neurobiologie und Direktor des Instituts für Anatomie
an der Berliner Charitè und ohne Zweifel ein renommierter Wissenschafter.
Er ist an der dortigen Fakultät auch Prodekan für Wirtschaft
und Haushalt. Niederwiesers Kritik richtet sich nicht gegen seine Person,
sondern sie betrifft die Vorgangsweise von Ministerium und Universitätsrat
und beinhaltet auch, dass die Trennung der medizinischen Fakultät
von der Gesamtuniversität - dafür steht auch der Begriff der
"universitas - nach wie vor als Irrweg angesehen wird.
"Es ist an sich nicht unbillig, wenn jemand für eine neue Aufgabe
Gehaltsvorstellungen hat, die am bisherigen Einkommen gemessen werden.
Wenn aber gleichzeitig bei der Lehre und bei den Assistenten und wissenschaftlichen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an allen Ecken und Enden gespart werden
muss, weil das Universitätsbudget krass unterdotiert ist, dann muss
der Universitätsrat und dessen Vorsitzender wissen, was seine Verantwortung
für das Ganze anlangt!
Zusammenfassend bestätigen sich die Befürchtungen, dass die
Universitätsreform einen beträchtlichen Kostenschub im Bereich
der Verwaltung bringt und diese Mittel bei Lehre und Forschung fehlen.
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